Kunst

Vom Klimawandel gezeichnet

Die amerikanische Künstlerin Zaria Forman verewigt in ihren Zeichnungen nicht nur die Schönheit von Wasser und Eis, sondern thematisiert mit ihren Werken bewusst den Klimawandel.

Ihre Werke sind Zeichnungen, sagt sie mir, keine Malereien. Sie nutzt weder Pinsel noch Farbe oder Leinwände, sondern ihre Finger und weiche Pastelle auf Papier. Schicht für Schicht entstehen so die feinzügigen Eisoberflächen und Kräuselungen im dunklen Wasser der Arktis.

Das Licht der Arktis

Eine Landschaft wiederzugeben, die viele auf den ersten Blick als eintönig einschätzen, ist nicht einfach. Wer schonmal dort war, weiß wie besonders das Licht im Norden ist und welchen Einfluss es nicht nur kulturell, sondern auch auf das Landschaftsbild hat. Die Kunst liegt deswegen darin, das kalte arktische Licht genau einzufangen – wie es das Grönland-Eis trifft, wie es vom Wasser reflektiert wird.

Die verschiedenen Schattierungen der nassen Weiß- und Blautöne genau wiederzugeben, und das mit trockenen, staubigen Materialien, ist ein langer Prozess. Es dauert gut einen Monat, bis Zaria eine der durchschnittlich etwa 1,30 Meter breiten Zeichnungen vollendet hat.

Auf Facebook und Instagram postet sie regelmäßig Updates ihrer noch unfertigen Werke. Hier kann man genau sehen, wie sie ein Werk Schicht für Schicht aufbaut.

Empirische Eindrücke

Im August 2012 leitete Zaria die Expedition „Chasing the Light“, die sie und ein Team die Nordwest-Küste Grönlands entlang führte. Ziel war es, die sich rapide verändernde arktische Landschaft zu dokumentieren. Dabei folgte das Team der Route, die der amerikanische Maler William Bradfort bereits 1869 nahm, und konnte so erschütternde Vergleiche ziehen.

Schon als Kind reiste Zaria in die entferntesten Regionen dieser Erde, die ihre Mutter – eine Fotografin – in Fotos festhielt. Ihre Mutter war es auch, die Zaria ans Herz legte, sich den Einfluss des Klimawandels auf unseren Planeten in Grönland anzusehen. Unterwegs machte Zaria, wie auf allen ihren Reisen, tausende Fotos und kleine Skizzen, die ihr dabei helfen, sich in ihrem New Yorker Studio die Erlebnisse vor Ort wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Aufmerksamkeit für den Klimawandel

Aktuell befasst sich Zaria in ihren Werken auch mit den Malediven. Die Inselgruppe ist das am tiefsten liegende Land der Erde. Wie in Grönland ist der Klimawandel hier sehr sichtbar und noch stärkere Konsequenzen sind unmittelbar bevorstehend.

Zaria stellt ihre Werke regelmäßig in den Vereinigten Staaten und der ganzen Welt aus. Ihre Zeichnungen sind auch immer wieder in anderen kulturellen Umfeldern zu finden, beispielsweise als Bühnenbild im international bekannten Ballett „Giselle“ und in der von David Fincher und Kevin Spacey produzierten US-TV-Serie „House of Cards“.

So verdient die Künstlerin Geld mit ihrem Handwerk, klar. Aber viel mehr geht es ihr darum, Aufmerksamkeit zu schaffen für die Schönheit der Eislandschaften Grönlands und die Ausmaße und Auswirkungen ihrer Zerstörung.

Das ist ein schweres, ungemütliches Thema für die Schlafzimmerwände der Besserverdiener und Einflusshaber – und gerade deswegen ungeheuer wichtig.

Bilder: © Zaria Forman / Francois Lebeau. Used with permission.

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1 Kommentar

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    emmysuhweeks
    26. September 2015 at 05:09

    Ganz schoen!

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