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Kurzer Liebesbrief an den Elch

Wie wundertoll doch so ein Elch ist. Ein sanfter Riese, der genüsslich kauend durch die nebeligen Sümpfe und sonnigen Wälder der nördlichen Gefilde stapft, sich wählerisch die leckersten Kräuter herauspickt und den Pappeln die Rinde abknabbert, liebevoll Junge groß zieht und auch sonst der Inbegriff von Friede, Freude, Eierkuchen ist. Ein Gourmet, ein Kuscheltier mit weichen Schaufeln zum Geweih und treudoofen Augen, stets irgendwie überrumpelt und doch erhaben. Ein Urtier aus einer anderen Zeit, das den Verkehrsschildruhm mit Fassung trägt. Alleine 350.000 Elche gibt es in Schweden, etwa 200.000 in Norwegen. Vom Aussterben ist der Elch also weiß Gott nicht bedroht. Zum Glück! Nur: wo versteckt er sich?

Das Verrückte ist ja, dass ich noch nie einen Elch im echten Leben gesehen habe. Weder in der freien Wildbahn, noch in einem Tierpark oder Zoo. Aber ich liebe Elche so sehr. Was wiederum keine besonders waghalsige Aussage ist, denn als Deutscher ist man bekanntermaßen höchst anfällig dafür, beim Stichwort Elch in unangemessene Gefühlsduselei zu verfallen. Nichtsdestotrotz nenne ich Schweden nun seit gut sechs Monaten mein Zuhause und habe immer noch keinen Elch gesehen. Das ist ja nun doch irgendwie verrückt – insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass der Weg zur Arbeit sämtlicher Kollegen offenbar ein regelrechtes Zirkeltraining um die unfassbar vielen Elche ist, die in Rudeln an den ungünstigsten Stellen blöd herumstehen. Glaubt man ihren Geschichten, ist es wohl nahezu unmöglich, vor die Tür zu treten, ohne prompt unter einem Elch zu stehen, dem natürlich postwendend die spiddeligen Beine wegklappen. Durch Windschutzscheiben schlagen die massigen Tiere ja auch in einer Tour. Und ewig muss die Polizei ausrücken, um besoffene Elche aus Apfelbäumen und Planschbecken zu pflücken.

Schon seltsam, diese Elchplage, die völlig an mir vorbeizieht, aber allen anderen Schweden das Leben schwer macht. Dabei will ich doch nichts sehnlicher, als endlich einen Elch im echten Leben sehen. Und vielleicht streicheln. Und füttern. Dass dies dem – bei aller Liebe – fragwürdig getauften König des Waldes etwas seines Glamours, seiner Würde nehmen könnte, muss ich akzeptieren. Es gibt jetzt kein Zurück mehr. Mein wichtigstes To-do für den Herbst lautet, einen Elch zu treffen – egal wo, egal wie. Wird Zeit. Wo kommen wir denn da hin.

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1 Kommentar

  • Reply
    Elke
    18. September 2015 at 09:25

    :-D Das wird schon! Hauptsache, er läuft dir nicht vors Auto! Liebe Grüße von der Nordsee nach Stockholm, Elke

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