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Insel Djurö: Nationalpark voraus!

Wer Lust bekommt einen der isoliertesten Nationalparks ganz Schwedens zu besuchen, muss sich nicht gleich nach Lappland aufmachen. Man wird bereits im verhältnismäßig dichtbesiedelten Süden fündig. Grund dafür ist seine Lage: er liegt mitten im drittgrößten See Europas – dem Vänersee.

Wilde Natur im Nationalpark Djurö

Mit einer Küstenlinie von 2000 Kilometern kann der Vänern (so nennen ihn die Schweden) es flächenmäßig fünfmal mit dem deutschen Bodensee aufnehmen, je nach Standort an der Küste oder im Boot ist meist kein Land am Horizont zu sehen. So gibt er einem das Gefühl das Meer vor sich zu haben. Ein Paradies für Freizeitboot-Inhaber, Badefans und Angler.

Wir fahren übern See, übern See

Inmitten dieser Weite befindet sich die Inselgruppe Djurö (Djur= Tier, ö= Insel), ein Archipel von über 30 kleinen Inseln welche seit Anfang der Neunziger Jahre den Schutz eines Nationalparks genießen. Hier gibt es keine Fährverbindung, die Anreise ist nur mit dem eigenen bzw. einem Charterboot möglich. Von der Anfahrt mit Kanu oder Kajak ist abzuraten, da es lange Zeit über offenes Gewässer geht. Das Wetter auf dem großen See kann schnell umschlagen, hier ist auch der Wellengang nicht zu unterschätzen.

Wir sind eine deutsch-schwedische Geburtstagsgesellschaft von 12 Leuten und haben in Mariestad in Västergötland ein Boot samt Kapitän+Skipper (in diesem Fall seine Tochter) gechartert. Eine Überfahrt zur Hauptinsel dauert je nach Wind- und Wetterlage 2-3 Stunden.

Nach einer wunderbaren Überfahrt bei bestem Wetter erreichen wir Djurö von Osten her, der kleine Leuchtturm ist schon aus der Ferne zu sehen. Man sollte nur von Osten oder Norden an die Inseln heranfahren, da man sonst mit gefährlichen Untiefen zu rechnen hat. Im Norden gibt es einen Bootsanleger, der die Besucher direkt zu Informationstafeln führt. Broschüren zum Mitnehmen klären über die verschiedenen Wanderwege auf.

Hier teilt sich unsere Gruppe. Manche wollen in der Sonne auf den Steinen die Ruhe genießen, Andere möchten einen kleinen (eingezeichneten) Rundgang machen, die Wanderlustigsten entscheiden sich für den längsten Rundweg.

Kiefernwälder und „Meeresbrise“

Der Charme der Hauptinsel liegt in seiner Abwechslung. Man durchwandert moosbewachsenen und blaubeerdurchflutenden Kiefernwald, grüne Wiesen und zerklüfteten Fels. Steht man nicht mitten im Wald, blickt man entweder auf benachbarte Inseln oder den „offenen“ See mit Meer-Charakter. Das Wasser ist sehr klar und lädt unbedingt zum Baden ein. Die Ruhe ist fast greifbar.

Natürlich ist die Inselgruppe durch seine geschützte Lage ein Paradies für Vögel, die südlichen Inseln sind daher Vogelschutzgebiet und dürfen zwischen Anfang April und Ende August nicht besucht werden. Aber nicht nur Fischadler, Baumfalken und Austernfischer sind hier heimisch, sogar Dammhirsche leben im Nationalpark.

Seit der Einfuhr zu Jagdzwecken im 16. Jahrhundert ist dieser Waldbewohner hier nicht mehr wegzudenken. Derzeit tummelt sich eine Gruppe von etwa 20 Tieren auf der Insel und sorgt dafür, dass die vormals von Menschen bewirtschafteten Flächen vom Baumwuchs verschont bleiben.

Im 18. Jahrhundert lebten bis zu vier Familien gleichzeitig auf Djurö, die sich von Fischfang und Landwirtschaft ernährten. Schließlich wurde die Insel nur noch von jeweils einer Familie bewohnt welche den ständigen Betrieb des Leuchtturms gewährleistete. Am Ende war dieser dann vollautomatisiert, somit zogen auch die letzten Bewohner fort. Inzwischen kommen nur noch dann und wann neugierige Besucher vorbei.

Pfannkuchen-Märchen

Schließlich erzählt und der Bootsführer noch eine kleine Anekdote: Am Vänern allseits bekannt ist die dramatische Geschichte der Leuchtturmwärter Familie Persson, welche sich vor rund 100 Jahren im März 1915 ereignete. Die Familie war dabei, Djurö zu verlassen und auf die küstennahe Insel Torsö zu ziehen. Die 15-jährige Klara und ihr kleiner Bruder Lars sollten über Nacht auf der Insel bleiben um von den mit dem Umzug beschäftigten Eltern am nächsten Tag geholt zu werden. Die folgende Nacht aber tobte ein Sturm, der Packeis in das See-Gebiet drückte, welches das Manövrieren eines Bootes unmöglich machte. Ganze sechs Wochen lang war der Weg unpassierbar und die Eltern verzweifelten, wussten sie doch nichts über den Zustand ihrer Kinder. Als es endlich wieder ein Durchkommen gab und sie außer sich vor Sorge die Insel erreichten und „Kinder! Kinder! Lebt ihr noch?“ riefen, antworteten diese „Ja, wir leben! Wir leben!“ Sie lebten nicht nur, sie hatten den Eltern auch Pfannkuchen gekocht, hatten sie doch in der Ferne endlich das Boot erkannt.

Ende einer Tagestour

Nach einem perfekten Tag inklusive kleinem Picknick, Blaubeerverkostung (Beeren dürfen in schwedischen Nationalparks einzeln für den direkten Verzehr gepflückt werden, nicht aber eimerweise für zuhause) und Dammhirschsichtung entfernen wir uns in der Abendsonne wieder von der Insel, die Bewohner sind bestimmt froh, wieder unter sich zu sein.

Die Gruppe des längsten Wanderwegs musste übrigens erkennen, dass die mit dem Bootsführer ausgemachten zwei Stunden für die Tour sehr knapp bemessen waren, sie mussten sich am Ende ganz schön beeilen. Wer mehr Entspannung sucht, sollte in der Zeit also lieber die kürzere Strecke nehmen. Trotzdem sind sich alle einig: Die Tagestour war absolut fantastisch.

Weitere Informationen:

Vänerns Skärgårdsevent
Kaptensgränd 5
54245 Mariestad
Tel.: +46 (0)70 588 86 03

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