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Heldinnen der Weltmeere

Point Nemo ist der von jeglicher Landmasse am weitesten entfernte Punkt mitten auf dem Südpazifik. 2688 Kilometer sind es von hier aus bis zum nächstliegenden Land, den kleinen Pitcairninseln. Sich hier herumzutreiben ist keine gute Idee. Als das schwedische Team SCA dieses Jahr im Volvo Ocean Race die Welt nahezu umrundet, muss es den pazifischen Ozean jedoch überqueren. Und prompt: genau am Point Nemo schlägt der Mast des Volvo-Seglers um, das Boot kippt bis das Segel flach auf dem Wasser aufliegt.

Einfahrt der Segler in den Göteborger Hafen

An Bord sind 11 Crew-Mitglieder; 11 Frauen. Es ist das erste Mal in 12 Jahren, dass ein reines Frauenteam antritt und erst das fünfte Mal in der Geschichte des Rennens überhaupt. Und wieder bleibt keine Wahl. Die Frauen müssen sich selber retten. Die erfahrene Skipperin Sam Davies hat die Welt bereits dreimal alleine auf einem kleinen Segler umrundet, ohne je an Land zu gehen. Etwa neun Wochen dauert so eine Wahnsinnsfahrt, sagt mir ein Sprecher des Teams SCA und fügt direkt hinzu: „Ich könnte das nicht. Diese Frauen sind mental unfassbar stark.“

Stark, erfahren und diszipliniert. Ohne diese Eigenschaften hat man/frau bei diesem Segelrennen nichts zu suchen. Während des Volvo Ocean Race, das die sieben teilnehmenden Teams über gut 70.000 Kilometer von Alicante nach Göteborg bringt, arbeiten die Frauen in 4-Stunden-Schichten. Zumindest theoretisch. Vier Stunden schlafen am Stück ist in Wirklichkeit selten möglich. Glücklich schätzt sich diejenige, die einen vorgewärmten Schlafsack ergattert und so zumindest nicht friert.

Geschafft ist geschafft

Nach neun Monaten auf Tour und Zwischenstopps in 11 Häfen, kommt das Frauen-Team SCA als sechstes von sieben Booten im Zielhafen im schwedischen Göteborg an. Das offizielle Ranking ist jedoch fast nebensächlich. Geschafft ist geschafft. Wer diese Tour überlebt und erfolgreich abschließt, ist sowieso ein Held. Und für das erste Frauenteam in über einem Jahrzehnt, das zudem aus Schweden kommt, brennt in Göteborg und rundum die Welt eine ganz besondere Begeisterung. Die schwedische Kronprinzessin Victoria ist Patin des SCA-Seglers und feiert mit der Crew bei der Einfahrt in den Göteborger Hafen.

Zwischen dem Konfetti, den Luftballons, dem Sekt und der Volksfeststimmung im Hafengebiet ist das gigantische Abenteuer, das die Seglerinnen hinter sich haben, ganz weit weg. Ihren Überlebenskampf am Point Nemo kann man sich als Zuschauer nicht vorstellen. Die Euphorie im Publikum und das Ausmaß der Feierlichkeiten zeugt jedoch von Respekt und Anerkennung. Beides haben Team SCA, das Gewinnerteam Abu Dhabi Ocean Racing und alle anderen Teilnehmer in höchstem Maße verdient.

Mehr Information:

www.volvooceanrace.com & www.goteborg.com & www.visitsweden.de

Fotos (1, 2, 3, 7 & 8): Volvo Ocean Race
Vielen Dank an VisitSweden für die Einladung nach Göteborg.

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